Der Immobilienkonzern Heimstaden hat am Spandauer Damm in Charlottenburg ein Neubauprojekt fertiggestellt und kündigt weitere an. Was als Beitrag zur Entspannung des Wohnungsmarktes dargestellt wird, erweist sich als das Gegenteil: Das Neubauprogramm geht am Bedarf vorbei und geht auf Kosten von uns Mieter:innen.
1. Neubau am Bedarf vorbei
Berlin braucht bezahlbaren Wohnraum – Heimstaden liefert hochpreisige Neubauten. Der Konzern nutzt gezielt aus, dass Mieten im Neubau weitgehend unreguliert sind, und ruft Quadratmeterpreise von bis zu 30 Euro auf. Das entspricht laut Mietspiegel bis zum Dreifachen der ortsüblichen Vergleichsmiete in der Nachbarschaft. Damit entstehen Wohnungen, die sich der Großteil der Menschen in Berlin nicht leisten kann.
2. Digitale Kontrolle durch Schließkartensysteme
Besonders kritisch ist auch der Einsatz digitaler Schließkartensysteme. Diese ermöglichen es dem Vermieter, private Bewegungsdaten nachzuvollziehen – etwa wann Mieter:innen ihre Wohnung betreten oder verlassen. In strittigen Rechtslagen, beispielsweise bei ausgesprochenen aber noch nicht vom Gericht bestätigten oder abgewiesenen Kündigungen, besteht zudem die Möglichkeit, uns Mieter:innen den Zugang zu unseren Wohnungen kurzfristig zu versperren. Damit entsteht ein erhebliches Machtungleichgewicht und ein Eingriff in die Privatsphäre von uns Mieter:innen.
3. Profitmaximierung auf Kosten der Bestandsmieter:innen
Die Neubauprojekte dienen vor allem der Profitmaximierung und dem Image des Konzerns – und das auf Kosten von Bestandmieter:innen.
Während der Bauarbeiten litten Mieter:innen in den angrenzenden Gebäuden unter erheblichem Baulärm. Bäume und Grünflächen vor ihren Fenstern wurden dem Neubau geopfert. Zudem bestehen in vielen Bestandsgebäuden des Konzerns weiterhin gravierende Missstände: ausstehende Instandhaltungen, Sanierungsrückstände und mangelhafte Wohnbedingungen. Statt diese Probleme zu beheben, investiert Heimstaden in teure Neubauprojekte.
4. Etikettenschwindel beim Thema Nachhaltigkeit?
Heimstaden bewirbt seine Neubauten mit angeblich innovativen Heizlösungen, etwa durch die Nutzung der Abwärme der benachbarten Bestandsgebäude. Doch wenn in Bestandsgebäuden tatsächlich so viel Abwärme entstehen würde, dass sich ein Neubau damit beheizen ließe, würde das auf ineffiziente oder defekte Heizsysteme hinweisen, die dringend saniert werden müssten. Also alles mal wieder nur Greenwashing? Oder müssen Mieter:innen der benachbarten Bestandsgebäude mit ihren Heizkosten sogar die Versorgung der neuen Nachbar:innen schultern?
Aus den Wohnungsanzeigen geht hervor, dass über Fernwärme geheizt wird und das Gelände liegt im Einzugsgebietes des Steinkohle-Kraftwerks Reuter-West. Von nachhaltiger Wärme kann hier keine Rede sein.
Auch die Behauptung, es handle sich um „Bauen im Bestand“ ist als Etikettenschwindel zu werten. Anstatt klug nachzuverdichten, zum Beispiel durch Dachgeschossausbau oder die Vermeidung von Leerstand, versiegelt Heimstaden weitere Grünflächen.
Fazit
Heimstaden baut – aber nicht für uns Berliner:innen, die dringend bezahlbaren Wohnraum brauchen. Das Neubauprojekt am Spandauer Damm zeigt deutlich: Profitorientierter Neubau mit überteuerten Wohnungen ist keine Lösung gegen die Wohnungsnot.
Investitionen sollen in die Instandhaltung, Sanierung und den Erhalt bezahlbaren Wohnraums fließen – nicht in renditegetriebene Prestigeprojekte!




